Eine solide Biogasanlage mit drei Etagen, die bis in schwindelnde Höhen bespielt werden, stellt Joep van Lieshout auf die Bühne.
Eine eigenständige Installation und handwerkliche Meisterleistung.
Ein roter Alkoholator nimmt die hintere Bühne ein, an den Seiten Flüssiggasbehälter mit diversen Aufschriften, auf einem Bottich steht „Nahrung“.
Es wird hart gearbeitet. In der Ouvertüre schaufeln Arbeiter Sellerie in Behälter. Von der Decke kommen Säcke an Haken herunter, werden geleert und mit dem Flaschenzug wieder nach oben gezogen. Dieser Durchgang, von der Sellerie-Anlieferung bis zum fertigen Alkohol, wird nach dem ersten Akt wiederholt. Nicht nur das, auch auf der hinteren Leinwand wird ein Video gezeigt, das die einzelnen Arbeitsschritte erklärt.
Der Venusbergspielt in einem Affenkäfig, allerdings einem durchlässigen. Aus dem Holzboden saugt sich ein vergitterter Zylinder heraus und wird zu einem überdimensionalen runden Käfig, senkrecht Gitterstäbe an den Seiten. Außerdem bevölkern diesen Käfig drei mannsgroße Spermien, die von den Affen durch ein Tor gezwängt werden, das die Ähnlichkeit mit einer Vagina nicht verleugnen kann.
Kostüme von Nina von Mechow
Zweigeteilt sind die Kostüme der Arbeiter. Lederne Breeches – Reiterhosen, an den Schenkeln viel Platz für die Muskeln, ab dem Knie hauteng – in den Farben Hellgelb, Hellblau, Hellrot. Darüber weiße Männerunterhemden (den Sponsor entnehmen Sie dem Programmheft, sofern nicht ein Sonderposten zum Zuschlagen lockte)! Unterhalb der Taille sehen sie nach Landjunkern aus, oben nach verschwitzten Arbeitern.
Tannhäuser lässt sich gehen.

Mit einem betagten, ausgeleierten grauen Häkelpulli, heraushängendem schmutzigen Unterhemd, Unterhose und Stiefeln bekleidet wirkt er versumpft und abgewrackt. Bevor er Elisabeth unter die Augen kommt, wird er in eine gelbe Hose mit schwarz-gelbem Hemd gesteckt. In diesem Aufzug sieht er aus wie der abgehalfterte Elvis in seinem letzten Lebensjahr. Sexy ist anders.
Venus dagegen trägt ein enges goldenes Abendkleid, das ihre Schwangerschaft noch betont – verführerisch.
Elisabeth zeigt sich zuerst noch klassisch herrschaftlich, danach trägt sie ein grob gestricktes langes Kleid in dezentem Büßergrau mit ebensolchem Bettjäckchen – Unschuld vom Lande.
Der junge Hirte stellt einen jungen Landedelmann dar – gelbe Reiterhosen, weißes Hemd, Krawatte – der sich an einer Schnapsflasche festhält und kaum noch laufen kann. Ja, der Allohol.
Tannhäuser, romantische Oper von Richard Wagner – Bayreuther Festspiele 2011 – Besetzung:
Musikalische Leitung – Thomas Hengelbrock
Regie – Sebastian Baumgarten
Bühnenbild – Joep van Lieshout
Kostüme – Nina von Mechow
Dramaturgie – Carl Hegemann
Licht – Franck Evin
Video – Christopher Kondek
Chorleitung – Eberhard Friedrich
Landgraf Herrmann – Günther Groissböck
Tannhäuser – Lars Cleveman
Wolfram von Eschenbach – Michael Nagy
Walther von der Vogelweide – Lothar Odinius
Biterolf – Thomas Jesatko
Heinrich der Schreiber – Arnold Bezuyen
Reinmar von Zweter – Martin Snell
Elisabeth, Nichte des Landgrafen – Camilla Nylund
Venus – Stephanie Friede
Ein junger Hirt – Katja Stuber
Werkstatt Bayreuth:
In der von Wolfgang Wagner eingeführten “Werkstatt Bayreuth” nutzen die meisten Regisseure die folgenden Spielzeiten, um ihre Inszenierung weiter zu entwickeln. Wie ändert sich in diesem “Tannhäuser” die Inszenierung, die Sänger/Darsteller und die beachtenswerte Ausstattung von Bühne und Kostümen von 2011 im Laufe der Jahre?