Eine Telenova in der Telenova. Die eine spielt in einem Gestüt – zumindest in einem Schloss mit angeschlossenem Pferdestall. Die Hauptdarstellerin Renata bringt chronisch alle möglichen Paare ihrer Umgebung zusammen – als Glücksbotin der Liebe.
Dadurch schafft sie sich eine große Fangemeinde, hauptsächlich bei Frauen im fortgeschrittenen Alter. Eine davon ist die Huber Sabine, Vorsitzende des bayerischen Renata-Fanclubs, die sich alle 5329 Serien verinnerlicht hat. Ausgerechnet die Huber Sabine aus Rosenheim wird vom Chef des Privatsenders bei der ex-erfolgreichen Hauptdrehbuchautorin einquartiert.
Somit sind wir in der Seifenoper nummero zwo gelandet.
Sie spielt in der Welt der Fernsehproduktionen, Schauspieler, Aufnahmeteams. Hier geht es knallhart zu. Die Chefautorin sieht sich umgeben von Stinkstiefeln, die sie alle absägen wollen. Schaut man sich an, wie sie vorgeht, scheint sie der Oberstinkstiefel zu sein. Weil die Serie in der Zuschauerinnengunst rapide absinkt, wird bei ihr die Huber Sabine samt Dackel einquartiert. Die Huber Sabine kennt sämtliche Folgen in- und auswendig, denn beim Bügeln schaut sie sich die Serien auf DVD an. Sie soll der ausgelaugten Drehbuchautorin Tipps geben, was die Zuschauerinnen sehen wollen. Das sorgt für Konfliktstoff, denn bestimmte Gegensätze passen einfach nicht zusammen. Zum Beispiel Patient und Arzt, Betrüger und Betrogener, Seifenoper-Autorin und Seifenoper-Konsumentin. Sie verfolgen unterschiedliche Ziele.
Ron Markus ist Drehbuchautor von Fernsehserien.
Mit seinem ersten Roman macht er das, was er am Besten kann. Er schreibt eine Telenova in der Telenova. Damit steht er in der Tradition vieler Librettisten, Bühnendramatiker, Drehbuchschreiber. Besonders in den Barockopern gab es häufig eine Bühne auf der Bühne. Was wäre ein Tenor ohne seinen Clown Bajazzo? Luciano Pavarotti und Placido Domingo wären längst nicht so berühmt ohne diese Paraderolle.