Der Name „Blauer Boll“ ist wörtlich zu nehmen. Barlach beschreibt Boll als beleibt, kurz vor dem Schlaganfall – dann nämlich läuft er blau an.
Außerdem trinkt er gern. Wahrscheinlich hat er einen konstanten Alkoholpegel. In der Stuttgarter Staatstheater-Inszenierung von Stephan Rottkamp färbt Boll sich selbst ein, mit cremiger, blauer Farbe.
Eine Plastikfolie, wie eine Gartentischdecke, spannt sich über den Boden der riesigen Bühne (Robert Schweer) und bildet die Rückwand. In der Mitte stehen Eimer mit blauer, grüner, roter, weißer, schwarzer, brauner Farbe – sahnige, dicke Farbe. Sie greifen in die Kübel und malen ihre Körper an. Kostüme von Kirsten Dephoff – Farbe statt Textil.
Robert Schweer
♫ Pinocchios Abenteuer: Theater im Schuhkarton – überdimensional
Bühnenbilder von Robert Schweer
in „Pinocchios Abenteuer“.
Die Kutsche Richtung Spaßland besteht aus einer ausgesägten flachen Holzplatte mit aufgemaltem Wagen und Rädern. Mitten drin befindet sich eine Tür, durch die Pinocchio (Tina Hörhold) und Lampwick (Nam Won Huh) einsteigen und sich scheinbar gegenüber hinsetzen, jedoch sind unten ihre Füße zu sehen. Mal bewegen sie sich vor, mal zurück, und natürlich ruckeln dabei auch Pinocchio, Lampwick und der Kutscher (Michael Hofmeister), der sich hinterher als Bösewicht herausstellt.
Die Bühne sieht aus wie ein riesiges, aufgeklapptes Bilderbuch.
♫ Pinocchios Abenteuer: von ausgestopften Hasenschenkeln bis zu lebensgroßen Marionetten
Kostüme
von Justina Klimczyk in „Pinocchios Abenteuer“
Stuttgarter Staatsoper
Grüner Anzug mit seitlich ausgestopften Sprungbeinen und hinten Flügeln, auf dem Kopf eine Maske mit Augen, Nase, Mund, darunter das grün angemalte Gesicht von Yuko Kakuta – (fast) fertig ist die Grille. Durch die typischen Flügelbewegungen und ihr hohes „tschiep, tschiep“ wird sie lebendig. Viele prall ausgestopfte Schenkel, wohin man blickt: Grille, Kater, Fuchs, Kaninchen sehen aus wie in dem Kinderbuch „Die Hasenschule“, in der die Häschen aufrecht laufen und Anzüge tragen. Die Kostüme von Justina Klimczyk, besonders die Tierkostüme, sind ein Gedicht.
♫ Pinocchios Abenteuer: Grille, Schnecke, Blaue Fee – Fuchs und Kater…
Pinocchios Abenteuer
mit Musik von Jonathan Dove
Stuttgarter Staatsoper
Geppetto der Schreiner Michael Ebbecke schnitzt Pinocchio Tina Hörhold mit soviel Energie aus einem Holz, dass nicht nur die Späne, sondern auch die Stechbeitel fliegen – in den Orchestergraben. Mit so viel Schwung geht die Oper weiter. Eine Episode von Pinocchio, dem frechen „italienischen Struwwelpeter“, der sich gegen jede Erziehung sträubt, reiht sich an die andere.Die Frage nach dem Schönsten – die einfallsreiche Inszenierung von Markus Bothe, die stimmlich hervorragenden Sänger, dem Staatsorchester unter der Leitung von David Parry, Bühnen(zeichnung)bild von Robert Schweer, Kostüm-Kunstwerke von Justina Klimczyk, ausdrucksstarker Chor in der Einstudierung von Michael Alber und Simon Zimmermann mit der Choreographie von Ivo Bärtsch, überraschende Effekte… – ist leicht zu beantworten: